BIX TOP ACT: Vadim Neselovskyi NY Trio - CD-Release "Get Up And Go"
Do 27. April 2017 | 20:30
BIX TOP ACT: Vadim Neselovskyi NY Trio - CD-Release "Get Up And Go"

„Ich habe irgendwann als Komponist angefangen, und als Komponist werde ich irgendwann sterben. Komponieren ist das Wichtigste in meinem musikalischen Schaffen.“ In seiner Selbsteinschätzung ist der Komponist und Pianist Vadim Neselovskyi ganz klar: so sehr er Jazzmusiker ist, so sicher ist er sich selbst, dass der Kern seiner Musik in der Komposition liegt.

„Get Up And Go“, das neue, gerade im März 2017 veröffentlichte Album des Vadim Neselovskyi Trio mit dem Schlagzeuger Ronen Itznik, einem alten Studienkollegen, und Daniel Loomis am Kontrabass (und auf zwei Stücken die portugiesische Sängerin Sara Serpa), ist eine sehr beherzte Unternehmung mit dem Ziel, die Grenzen zwischen Jazz und Klassik, Komposition und Improvisation aufzubrechen.

„Frederic Chopin hatte kein I-Phone, mit dem er alles aufnehmen konnte“, erklärt Neselovskyi. „Deshalb musste er alles aufschreiben. Aber es gibt in seiner Musik Stellen, wo er wirklich komponiert und andere, wo er einfach improvisiert und etwas ausprobiert hat. Ich kann das genau zeigen. Eigentlich ist das gar kein Unterschied, denn die Musik ist einfach genial. Als Komponist ist mir diese Balance wichtig. Da lerne ich von Chopin oder von Rachmaninoff. Und auch von Keith Jarrett und von Ralph Towner und Egberto Gismonti und vielen anderen.“

 

Neselovskyi hat keine Scheu vor der Nähe zu großen Namen, wozu auch? In Deutschland, wo er immerhin sechs Jahre lang lebte, noch recht unbekannt, so ist er in der obersten Musikerliga in den USA längst ein hochgeschätzter Musiker, an dem man neben dem elastischen und druckvollen Anschlag und der verblüffenden Unabhängigkeit der Hände, mit der er komplexeste Polyrhythmen lebendig hält, vor allem die enorme musikalische Reife schätzt, die er sich in vergleichsweise kurzer Zeit erarbeitet hat.

Geboren ist Vadim Neselovskyi 1977 in Odessa, in einer besonderen Stadt seit jeher. Die Hafenstadt an der ukrainischen Schwarzmeerküste ist jüdisch geprägt, und auch für Neselovskyi gehörte die jiddische Sprachmelodie der Großmutter und ein ganz besonderer, sarkastischer Humor zur Kindheit. Dazu hatte der Hafen in den alten Zeiten Reichtum in die Stadt gebracht, und auch in der Sowjetzeit stellten die Matrosen eine Verbindung zur weiten Welt her. Gelegentlich führten sie auch Neues aus dem Reich des Jazz im Gepäck. Der junge Vadim war begabt, schon als er sieben war, war er mit den Tasten vertraut, die russischen Komponisten, Rachmaninoff, Mussorgski, usw. erweckten seine Musikalität.

Ein Jahr später erhielt er seinen ersten regulären Kompositionsunterricht. Als die Sowjetunion zerfiel, Neselovskyi war gerade 14 Jahre alt, sah er einen Jazzpianisten aus Odessa im Konzert, frei improvisierend, ohne Netz und doppelten Boden. Der junge Vadim Neselovskyi war am Haken.

Drei Jahre später siedelte die Familie nach Deutschland über, nach Dortmund, wo er das Konservatorium besuchte. Um die Jahrtausendwende wagte er mit einem Stipendium für das Berklee-College den Sprung über den Atlantik. Bald spielte er mit Musikern der „Gewichtsklasse“ von Herbie Hancock oder Chaka Khan.

Sein Traum war es, in der Band von Gary Burton, dem Berklee-Direktor, mitzuspielen. Als sich der erfüllte, wollte Burton auch gleich noch die Kompositionen spielen, die Neselovskyi schrieb, denn er schätzte den jungen Pianisten nicht nur als ebenso virtuosen wie einfühlsamen Instrumentalisten, sondern als eine sehr strukturierte, ausgereifte Musikerpersönlichkeit.

Mit seiner Begeisterung für Neselovskyis Kompositionen blieb Burton nicht alleine. Auch im klassischen Lager stehen Orchester Schlange, die Musik des jungen Musikers aus Odessa zu spielen. Seine letzte größere Komposition, ein Konzert für Orchester und Klavier, sieht er dabei als Meilenstein: „Da schließt sich für mich der Kreis. Da bin ich alles zugleich: Komponist, Improvisator, Pianist.“

Hinter diesem Standard mag Vadim Neselovskyi auch im Jazzgewand nicht mehr zurückbleiben. Auf dem Album „Get Up And Go“, präsentiert das Vadim Neselovskyi Trio ein klassisches Jazz-Format, Bass, Schlagzeug, Piano, doch was die Dynamik und Intensität des Zusammenspiels sowie die Vielfalt der Formen angeht, sprengt dieses Trio herkömmliche Kriterien. „Manche Stücke sind auskomponiert, das sind richtige Werke“, erklärt er seine Vorgehensweise. „Klar, es gibt viel Jazz darauf, weil ich in meinem Leben viel Jazz gespielt habe, aber eigentlich geht meine Musik über den Jazz hinaus. Mich interessieren einfach alle Musikspielarten.“

So stellt sich Vadim Neselovskyi, der längst ein Weltreisender in Sachen Musik geworden ist, nun endlich dem Publikum in Deutschland, seiner zweiten Heimat vor: als ein mit allen Wassern gewaschener Jazzmusiker, der die Improvisation schätzt „wenn die musikalische Situation so ist, dass nur durch Improvisation das Richtige zum Ausdruck kommen kann“, und sich ansonsten seinen Ursprüngen in der klassischen, komponierten Musik nähert.

 

Heute stellt Vadim mit seinem „NY Trio“ im BIX das neue Album vor:

Schon beim ersten Hören offenbart „Get Up and Go“, Neselovskyis Anfang 2017 veröffentlichtem Album, eine enorme Kraft und Sensibilität. Melodische und harmonische Raffinesse, das Einfache und das Komplexe, die Individualität des Ausdrucks und die Klangkultur der großen Geschichte der Musik erweisen sich als die Zutaten zu einer hochspannenden Mischung, in der die beeindruckende Virtuosität und Reife dieses Pianisten sowie die außerordentliche Musikalität des Zusammenspiels im Trio Balance garantieren.

 

Pressestimmen:

 

«…extraordinary playing…» LOS ANGELES TIMES

 

«Vadim…sounds the most promising of the young improvisers.» THE GUARDIAN

 

«…dominant voice…manifested by a characteristic ability to find the perfect phrase, the most fitting harmonic conceit.» John Kellman, ALL ABOUT JAZZ

 

«More than just a strong pianist, he’s a composer who blends form and freedom in new ways.» John Kellman, ALL ABOUT JAZZ

 

«pianistic power station… new jazz… Virtuosity coupled with passion and soul… his own language…» NEUE MUSIKZEITUNG

 

Besetzung: Vadim Neselovskyi (p, comp); Daniel Loomis (b); Ronen Itzik (dr)

 

Mehr Infos unter: http://www.vadimneselovskyi.com

 

Fotocredit: Gulnara Khamatova



Tickets im VVK:
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